Heimvorteil

Oberpfalz-Krimi

Prolibris Verlag 2007, 11 Euro

Inhalt

Der Regensburger Sportjournalist Thomas Reitinger kehrt in seinen oberpfälzischen Heimatort zurück. Eigentlich will er nur seine Mutter besuchen, wird aber von den Ereignissen in dem doch sonst so beschaulichen Dorf überrumpelt: Der Fußballtrainer des heimischen Sportvereins wurde umgebracht. War er zu ehrgeizig oder ist er Opfer dörflicher Intrigen und heimlicher Leidenschaften geworden? Reitinger kennt sich hier aus, er soll bleiben und über den Fall berichten, sagt sein Chefredakteur. Seiner Frau ist es nur recht, die geht in Regensburg eigenen Interessen nach. Und Thomas entdeckt nicht nur die Abgründe seines Heimatdorfes, das er zu Beginn seines Studiums verlassen hat, sondern findet auch seine erste Liebe Kati wieder. Dumm nur, dass ihre Familie in den Fall verwickelt sein könnte ...

Leseprobe

"Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir ..."
Inbrünstig betete Sepp Freisleder mit gefalteten Händen, hatte die Augen gen Himmel gerichtet und murmelte die Worte vor sich hin. Hartmut Degenhardt stand neben ihm, nervös trat er von einem Bein auf das andere. Er war kein gläubiger Mensch, der Bürgermeister.
  "Jetzt hör schon auf, Freisleder."
  "Oh Herr, gib ihm die ewige Ruhe ..." Der Mesner ließ sich nicht vom Beten abbringen.
  "Ich ruf jetzt die Polizei", unterbrach ihn Degenhardt, zog sein Handy heraus und wählte die Notrufnummer.
  "Erst den Pfarrer, wegen der letzten Ölung."
  Der Bürgermeister ignorierte diesen Vorschlag, was sollte der Pfarrer noch ausrichten? Doch damit alles seine Ordnung hatte, rief Degenhardt nicht nur die Polizei, sondern auch noch seinen Schwager an, den Dorfdoktor Wachter. Sollte der offiziell feststellen, was ganz deutlich war. Alois Schindler, Mitarbeiter der Gemeinde Neukirchen auf dem Wertstoffhof im Ortsteil Helmering, lag mit dem Gesicht nach unten und einem Messer im Rü­cken auf dem Container für Elektroschrott. Er war tot.
  Ausgerechnet heute Morgen beim Frühstück hatte sich der Bürgermeister vorgenommen, im Wertstoffhof nach dem Rechten zu sehen. Mehrfach hatte es Beschwerden von Bürgern gegeben, dass Alois Schindler zu spät aufsperre, weil er noch seinen Rausch vom Vorabend ausschlafen musste. Wenn ihn jemand aus dem Bett klingelte, dann war er grob und unverschämt. Degenhardt wollte mit ihm ein paar deutliche Worte reden. Aber er war zu spät gekommen. Kaum hatte er nun sein Telefongespräch mit der Polizei beendet, fing Sepp Freisleder zu reden an.
  "Ich hab ihn vorher angefasst und ein bissl umgedreht. Meinst, des ist schlimm?"
  "Musst es eben der Polizei sagen."
  "Weißt, wie ich gekommen bin und er ist da gelegen, da hab ich gedacht: Vielleicht kann man noch was machen."
  Ein optimistischer Gedanke, dachte Degenhardt, denn das Messer steckte ziemlich genau im Herzen. Aber gut, der Schock war sicherlich groß gewesen beim Freisleder.